Interview mit Knut Haugen - Gewinner HMMA 2011

Interview mit Knut Haugen - Gewinner HMMA 2011

Zu Beginn dieses Monats gewann Knut Avenstroup Haugen einen Preis für Best Song in a Video Game, bei den Hollywood Music in Media Awards, für das Lied The Coast of Ardashir, das Teil des großartigen Soundtracks der Age of Conan: Unchained Abenteuersammlung, Die Stürmische Küste von Turan, ist. Um euch einen Einblick in den Entstehungsprozess zu geben, haben wir ihm einige Fragen gestellt.

Was war deine Inspiration für den Soundtrack von Age of Conan - Die Stürmische Küste von Turan?

Bevor ich damit anfing die Musik zu komponieren, verbrachte ich einige Zeit damit die traditionelle persische Musik kennenzulernen. Persien ist natürlich die Entsprechung von Turan in der echten Welt. Die Musik ist vollständig von einem Orchester gespielt, aber die Rythmen, die Formen/Melodien und Harmonien basieren alle auf traditionellen iranischen Klängen. Zur gleichen Zeit wollte ich mich nicht zu weit von der ursprünglichen Age of Conan Musik und der Musik, die wir mit Conan verbinden, entfernen. Ich wollte, dass sich die Spieler so fühlen, als würde die Musik zur restlichen Musik im Spiel passen. So wurden die persischen Stilelemente mit einem orchestralen Stil zusammengebracht, während die Basis weiterhin persisch blieb und dies auch definitiv im Endergebnis zu hören ist.

Wie eng arbeitest du mit den Spielentwicklern zusammen, um den richtigen Sound zu bekommen?

Üblicherweise setzen wir uns zu Beginn eines Projektes zusammen und diskutieren darüber, welche Musik für das Spiel passen würde. Die Entwickler geben ihre Meinungen dazu ab, was sie gerne habe würden, sind aber auch für meine Vorschläge offen. An diesem Punkt habe ich dann schon einiges an Vorbereitungen hinter mir, sodass ich kreativ zur Diskussion beitragen kann. Nachdem wir uns für eine musikalische Vorgehensweise entschieden haben, gehe ich in mein Studio und arbeite an einigen Themen und bringe sie zur weiteren Diskussion mit. An dieser Stelle gibt es dann viellecht noch ein paar Anpassungen, aber sobald die Entwickler zufrieden sind, mache ich auf gleichem Wege weiter und bringe regelmäßig neue Themen mit. Wenn alle Stücke abgesegnet sind, mache ich mich an die Orchestrierung, die Aufnahme und das Abmischen.

Welche Art von Musiker hast du für diesen Soundtrack verwendet?

Diese Stücke sind auf eine Art "alte Schule", da ich nur Standard-Orchesterinstrumente verwendet habe: Es gibt keine Soloisten der ethnischen Musik oder elektronische Instrumentebenen etc., mit der Ausnahme einer Solosängerin, die ich bei zwei Stücken benutzt habe. All der "ethnische" Klang ist mit normalen, westlichen Orchesterinstrumenten emuliert worden. Auch der Gesang der wundervollen Aubrey Ashburn, wurde auf traditionelle Weise angegangen - als gemeinsamer Teil des Orchesters und nicht als künstliche Ebene, die oben drauf gesetzt wird, was heutzutage die übliche Vorgehensweise ist. Meiner Meinung nach passt diese traditionelle Vorgehensweise sehr gut zur Conan Marke.

Musik in Spielen wird immer wichtiger, kannst du ein paar der Veränderungen umreißen, die, seit dem du angefangen hast Musik für Spiele zu machen, eingetreten sind?

Als ich als Spielekomponist, vor gerade mal ein paar Jahren, anfing, wurden die meisten Soundtracks mit gesampelten Instrumenten (Anmerk. d. Übersetzers: Töne/Tonreihen von echten Instrumenten, die dann als Einzeltöne wiedergegeben werden, um die Instrumente zu simulieren) aufgenommen. Nur die größten Projekte verwendeten ein echtes Orchester. Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Heute wird fast jede orchestrale Musik live aufgenommen. Je größer die Budgets geworden sind, umso mehr Geld wird auch für die Musik ausgegeben. Da geht es teilweise um die Erwartung, dass die Qualität sich auf allen Ebenen verbessern muss, aber ich denke die meisten Entwickler haben einfach erkannt, wie viel eine gute Musik für die Glaubwürdigkeit und die Stimmung eines Spiels beitragen kann.

Eine weitere Auswirkung der allgemeinen Qualitätsverbesserung und der wachsenden Budgets ist, dass hochrangige Filmkomponisten, die zuvor kein Interesse an Spielen hatten, jetzt anfangen auch Spielmusik zu komponieren. Es läuft schon seit ein paar Jahren so und wir werden immer mehr davon zu Gesicht bekommen, also wird die Konkurrenz mit jedem Jahr größer. Komponisten wie Hans Zimmer, Harry Gregson-Williams, Danny Elfman, Howard Shore und Christopher Young - um nur ein paar der größeren Namen zu nennen - haben alle schon Spielemusik geschrieben. Einige Leute sagen, dass diese Komponisten das Medium nicht so gut verstehen, wie dedizierte Spielekomponisten, aber ich denke, damit wird ihnen Unrecht getan. Bald wird es keinen Grund mehr für einen Entwickler geben, nicht die Besten der Besten anzustellen, die sie kriegen können. Die erste Generation der Spielekomponisten, die üblicherweise in den Firmen gearbeitet haben und sowohl Sound, als auch die Musik gemacht haben, wurden durch hauptberufliche Komponisten ersetzt. Jetzt wird diese zweite Generation bald aussterben, wenn sie es nicht schafft Musik zu schreiben, die mit den Filmschwergewichten mithalten kann.